Medizinische Biometrie

Wesentliche Fortschritte der modernen Medizin entstehen auf der Basis belastbarer empirischer Evidenz, die im Rahmen von Experimenten und Studien generiert wird. Ohne adäquate statistische Methoden zur Planung, Durchführung und Auswertung dieser Studien ist dies nicht möglich.

Die Medizinische Biometrie entwickelt, implementiert und verwendet Methoden der Statistik und der Mathematik, um einen Erkenntnisgewinns aus medizinischen Daten zu ermöglichen. Durch eine statistisch valide Interpretation der Ergebnisse und eine geeignete Darstellung werden diese den jeweiligen medizinischen Fachdisziplinen oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Konkret werden aktuell im Fachbereich „Medizinische Biometrie“ der GMDS im Rahmen von Arbeitsgruppen, Projektgruppen und Arbeitskreisen folgende Themen behandelt:

Biomedizinische Informatik  -  Humangenetik  -  Mathematische Modelle in der Medizin  -  Medical Decision Making  -  Statistical Computing  -  Statistische Methoden in der Bioinformatik  -  Statistische Methodik der klinischen Forschung  -  Therapeutische Forschung  -  Methodik systematischer Reviews  -  Umweltmedizin, Expositions- und Risikoabschätzung

"The correct use of statistics is not just good for science - it is essential."
(Nature, 2014)1

Die Medizinische Biometrie leistet essenzielle Beiträge zum breiten Themenspektrum der biomedizinischen Forschung. Unsere Beiträge finden sich in aktuellen Forschungsbereichen wie der molekularen Biomedizin und bilden sich z. B. in Methoden zur Analyse von modernen Hochdurchsatzsequenzierdaten ab. Traditionell befasst sich die Medizinische Biometrie mit klassischen experimentellen Studiendesigns und deren adäquater Auswertung (z. B. im Bereich präklinischer und klinischer Forschung). Darüber hinaus ist unsere Arbeit durch die Fortentwicklung klinischer Studien geprägt, beispielsweise durch die Entwicklung innovativer Studiendesigns. Unsere methodische Expertise reicht jedoch weit über den Bereich randomisierter kontrollierter Studien hinaus. Unser Methodenspektrum findet Anwendung im Bereich der Gesundheitsökonomie (z. B. im Rahmen von Kosten-Nutzen-Bewertungen) und in der Versorgungsforschung (z. B. im Rahmen von Designs der Implementierungsforschung oder im Bereich neuer Methoden zur Analyse von Beobachtungsstudien). Jenseits von Einzelstudien beschäftigen wir uns mit der Ergebnisintegration im Rahmen von systematischen Übersichten und Meta-Analysen und entwickeln die entsprechende Methodik weiter.

Neben der Anwendung und Implementierung der Methodik liegt uns die Entwicklung neuer Methoden mit konkretem Bezug zum medizinischen Problem (und Patienten) am Herzen. Biometrikerinnen und Biometriker arbeiten idealerweise eng mit den medizinischen Kollegen zusammen. Voraussetzung hierfür ist das Verständnis des medizinischen Hintergrundes zur Kommunikation auf Augenhöhe.

Medizinische Biometrie und Biostatistik werden oft als Nebensächlichkeit oder notwendiges Übel biomedizinscher Forschung angesehen. Dabei bilden die Methoden der Statistik und Mathematik die Grundlage für die Planung, Durchführung und Auswertung von Experimenten und klinischen Studien. Wie wichtig Medizinische Biometrie und Biostatistik sind, zeigte sich unter anderem in einer aktuellen Initiative hochrangiger Zeitschriften wie Nature1 und Science2, die unter anderem methodische Mängel als Ursachen der mangelhaften Reproduzierbarkeit von Ergebnissen der biomedizinischen Forschung identifizieren. 

Seit 1982 gibt es das gemeinsam von der GMDS und der Deutschen Region der Internationalen Biometrischen Gesellschaft (IBS-DR) entwickelte Zertifikat "Medizinische Biometrie". Es bescheinigt dem/der Inhaber/in die Qualifikation in Hinblick auf die Funktion eines verantwortlichen Biometrikers in einer klinischen Prüfung von Arzneimitteln.

Die fachliche Arbeit der medizinische Biometrikerinnen und Biometriker erfolgt in der GMDS in der Regel in Rahmen von Arbeitsgruppen und Projektgruppen des Fachbereichs sowie in Arbeitskreisen im Fall interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachgesellschaften.

Referenzen:
1. Number crunch. Nature. 2014;506(7487):131-2.
2. McNutt M. Reproducibility. Science. 2014;343(6168):229.

Archiv der Tätigkeitsberichte

  • Tätigkeitsberichte im Jahr 2018

    Tätigkeitsberichte im Jahr 2018

                                                                                                                                                                         A. Zapf, Hamburg (Leiterin)
                                                                                                                                                                         G. Rauch, Berlin (Stellvertreterin)

    Tätigkeit vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018

    Mitglieder
    Der Fachausschuss (FA) Medizinische Biometrie setzt sich zusammen aus den Mitgliedern Antonia Zapf (Leiterin, Hamburg), Geraldine Rauch (stellvertretende Leiterin, Berlin), Ralf Bender (Köln), Axel Benner (Heidelberg), Tim Friede (Göttingen) und Annika Hoyer (Düsseldorf).

    Der FA tagte im Berichtszeitraum einmal (bei der Jahrestagung in Osnabrück).

    GMDS-Tagung 2018 in Osnabrück
    Der Fachausschuss (FA) Medizinische Biometrie beteiligte sich an der Gestaltung und Durchführung der Jahrestagung 2018 in Osnabrück. Die Mitglieder des FA bildeten das Programmkomitee für den Bereich Medizinische Biometrie. Zudem hat der Fachausschuss die Einreichungen im Bereich Biometrie begutachtet. Unter den akzeptierten Beiträgen sind auch drei in der Kategorie „Full Paper“, die bei IOS Press im Ebook „German Medical Data Science: A Learning Healthcare System“ in der Serie „Studies in Health Technology and Informatics“ veröffentlicht wurden. Als key note speaker konnte Frank Bretz (Basel) gewonnen werden und als weitere invited speakers konnten Hayley Jones (Cambridge), Stefan Michiels (Villejuif) und Max Welling (Amsterdam) gewonnen werden. Des Weiteren hat Die Arbeitsgruppe (AG) Therapeutische Forschung einen Workshop zum Thema „Big Data in der klinischen Forschung – Chancen, Risiken und Herausforderungen“ organisiert. Unter Beteiligung des Fachausschusses und der AGs wurden außerdem Beiträge bei den update-Sessions gehalten und das erste Mal auf einer GMDS-Jahrestagung eine dataset challenge organisiert, diesmal zum Thema „Metaanalyse von Diagnosegütestudien mit multiplen Trennwerten“ organisiert.

    DAGStat
    Der FA beteiligt sich auch an der Planung der DAGStat-Tagung 2019 in München und wird von Antonia Zapf im Programmkomitee vertreten. Geraldine Rauch hat den Fachbereich bei der DAGStat-Vertreterversammlung am 14.3.2018 in Berlin repräsentiert. Tim Friede hat an der DAGStat-Vertreterversammlung am 9.10.2018 in Dortmund teilgenommen. Tim Friede ist außerdem Mitglied des Vorstands und künftiger Vorsitzender der DAGStat.

    GMDS-Tagung 2019 in Dortmund
    Der FA beteiligt sich an der Vorbereitung der Jahrestagung 2019 in Dortmund. Antonia Zapf leitet als Sprecher das Programmkomitee (bestehend aus den Mitgliedern des FA) für den Bereich Medizinische Biometrie. Geplante Beiträge aus der Biometrie sind unter anderem eine dataset challenge, von Arbeitsgruppen organisierte Workshops bzw. Sessions und Beiträge zu den Update-Sessions. Im Rahmen der Jahrestagung 2019 soll erstmals eine feierliche Übergabe der Biometrie-Zertifikate stattfinden.

    GMDS-Tagung 2020 in Berlin
    Bei der GMDS/CEN-Jahrestagung 2020 wird der Fachausschuss Biometrie durch Geraldine Rauch und Antonia Zapf vertreten. Hauptverantwortliche Organisatorin der Tagung ist Geraldine Rauch.

    Sonstiges
    Der Fachausschuss hat den Workshop „Innovative Studiendesigns in der Onkologie – Notwendigkeit, Methoden und Anwendungen“ der AG Therapeutische Forschung in Heidelberg finanziell unterstützt.
    Der Fachbereich hat den Herbstworkshop „Innovative Designs und cluster-randomisierte Studien“ der AG Statistische Methodik in der klinischen Forschung in München finanziell unterstützt.

    Die Projektgruppe „Biometrie in der Ethikkommission“ hat ein Schwerpunktheft zum Thema „Ethikkommissionen in Deutschland: Aufgaben, Verantwortung und Zukunft“ (Arbeitstitel) für das Bundesgesundheitsblatt (Koordinatoren: Pigeot, Mansmann, Rauch) erstellt.

    Die gemeinsame Projektgruppe „Analyse unerwünschter Ereignisse bei variablen Beobachtungszeiten in der Nutzenbewertung“ der ATF in der GMDS und der APF in der IBS-DR (Vorsitz: Tim Friede) hat die erarbeiteten Ergebnisse in einem Artikel zusammengefasst, der nun in Pharmaceutical Statistics erschienen ist (https://onlinelibrary.wiley. com/doi/epdf/10.1002/pst.1915). Damit hat die Projektgruppe ihre Arbeit erfolgreich abgeschlossen.

    Ralf Bender, Peter Schlattmann (Jena) und Antonia Zapf haben die Fragen zum Gebiet Biometrie des Progresstests begutachtet und eine Stellungnahme an den Präsidenten Andreas Stang geschickt. Der Progresstest ist ein interdisziplinärer Wissenstest für Medizinstudierende und soll den schrittweisen Wissenszuwachs messen.

    Der Fachbereich Biometrie hat für die DFG-Fachkollegiaten nach Rücksprache mit der IBS-DR eine Vorschlagsliste abgestimmt und an die Geschäftsstelle der GMDS weitergeleitet.
    An der interdisziplinären „Task Force - Formulierung der grundlegenden, strategischen Ausrichtung von Jahrestagungen“ beteiligen sich für die die Biometrie Axel Benner und Antonia Zapf.