Arbeitsgruppen

Consumer Health Informatics (CHI)

Diskussionpanel auf der MIE 2018 zum Thema Health Apps

Die Arbeitsgruppe Consumer Health Informatics (AG CHI) veranstaltete auf der diesjährigen Medical Informatics Europe (MIE) in Göteborg (Schweden) ein Panel zum Thema „Health Apps: The Good, the Bad and the Dubious – How to Spot the Difference?“. Die Veranstaltung fand am 24.04.2018 zwischen 15.30 Uhr und 17.00 Uhr statt. Unter den ca. 15 Teilnehmenden waren Vertreter von Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen, Startups, sowie Zertifizierungsstellen (z.B. Health On the Net Foundation (HON)).

 

Drei initiale Vorträge lieferten die Grundlage für eine Diskussion zum Thema. Monika Pobiruchin stellte zunächst die AG CHI, das Format und das Problemfeld vor: Es gibt für die Verbraucher ein unüberschaubares heterogenes Angebot von Health Apps. Die europäischen und nationalen Initiativen zur Sichtung und Bewertung von Health Apps sind jedoch der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt.

Anschließend gab Christos Vaitsis einen Überblick darüber wie EIT Health (Wissens- und Innovationsgemeinschaft des Europäischen Instituts für Innovation & Technologie (EIT)) den gesamten Entwicklungsprozess von einer Idee bis zum finalen Produkt begleitet; hierbei sollen Patienten*innen und das Personal der Gesundheitsberufe im Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses stehen. Durch einen zertifizierbaren / begleiteten Prozess soll das Vertrauen der Patienten und Ärzte*innen in das Endprodukt (z.B. die App) geschaffen werden. Darüber hinaus soll hierbei durch gezielte Fördermaßnahmen der Wissenstransfer aus der Forschung in die Regelversorgung gelingen.

Anschließend gab Nima Jokilaakso Einblicke in seine Erfahrungen als Entrepreneur und seiner Arbeit innerhalb der Swecare Foundation: Er vertritt die Meinung, dass hinter einer guten Health App ein nachhaltiges Geschäftsmodell stehen muss. Dies bedingt u.a. die Integration in bestehende Versorgungsstrukturen eines Landes. Nima betonte, dass jedoch viele Entwickler die Gegebenheiten des Gesundheitsmarktes nicht kennen bzw. ihnen auch nicht die Whitepapers und Guidelines (bspw. Privacy Code of Conduct on mobile health (mHealth) apps der Europäischen Kommission) nicht bekannt seien.

Nach diesen Impulsvorträgen wurde die Diskussion eröffnet. Dabei stellte sich heraus, dass eine objektive und allgemeine Zertifizierung von Apps zu dem Zweck, dass Bürger*innen und Patienten*innen entscheiden können, ob eine bestimmte App für ihre Gesundheit förderlich ist oder nicht, nur schwerlich möglich sein wird. Es wurde mehrfach angeregt, Apps nicht separat, sondern immer nur in einem Ökosystem und einem spezifischen Anwendungsfall zu evaluieren. Wobei auch auf die Herausforderung hingewiesen wurde, dass bisher noch kein Standard besteht, wie Effekte durch Health Apps gemessen werden können. Durch derartige Evaluationen kann der Mehrwert oder eben auch das Schadenspotential für die Anwender klar herausgestellt werden.

Die Entwicklung eines standardisierten Vorgehens zur Evaluation und Qualitätskriterien sollte gemeinsam durch die wissenschaftliche Community, Unternehmen, sowie den staatlichen Gesundheitseinrichtungen erfolgen. Die Verbindung einer wissenschaftlichen Tagung wie der MIE mit einer Industriemesse (wie in Göteborg mit der gemeinsamen Veranstaltung VITALIS & MIE geschehen), wurde hierbei als sehr förderlich angesehen.

Die AG CHI wird daher auch weiterhin Aktivitäten unternehmen, den Forschungsgegenstand CHI bekannter zu machen und die interne und externe Vernetzung zu fördern. Der kürzlich in der E-Health-Com (Fachmagazin für Gesundheitstelematik, Telemedizin und Health-IT) erschienene Artikel „Consumer Health Informatics - Daten sammeln für die Gesundheit“ unterstreicht diese Vorhaben.

 

Autoren: Björn Schreiweis, Monika Pobiruchin